Geschichte der Kathedrale

In der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts wurde an der Stelle der heutigen dreischiffigen neogotischen Kathedrale die dreischiffige romanische Basilika aufgebaut. Diese wurde im Jahre 1131 eingeweiht und zum heiligen Wenzel geweiht. In diesem Zeitpunkt hat der Bischof Heinrich Zdík zur Wenzelkirche von der heute nicht mehr existierenden Peterskirche übersiedelt. Die Kathedrale hat im Laufe der Zeit eine Reihe von Umbauten und Anbauten erfahren. Nach den Bränden im 13. und 14. Jahrhundert wurde die Kathedrale in die gotische Form umgebaut. In den Jahren 1582-1591 ließ der Bischof Stanislav II. Pavlovský die Renaissancekapelle des hl. Stanislav aufbauen. In Jahren 1616-1619 wurde vom Kardinal Dietrichstein das monumentale frühbarocke Presbyterium fertig gebaut. Dieses Presbyterium ist das größte seiner Art in der Tschechischen Republik und zugleich auch einer der ältesten Barockbauten im Land. Unter dem Presbyterium befindet sich  eine zweistöckige Gruft. In den 60. Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die barocke Loretto-Kapelle angebaut.

Die ganze Kathedrale wurde vom Architekten Gustav Meretta unter dem Patronat des Erzbischofs Friedrich Kardinal Fürstenberg in Jahren 1883-1892 in ihre gegenwärtige Gestalt im neogotischen Still umgebaut. In dieser Zeit wurden auch die Türme der Westfassade aufgebaut, die 68 Meter hoch sind, und auch der südliche monumentale Turm, der das Panorama der Stadt gestaltet. Der letztgenannte Turm ist mit seinen 101 Metern der zweitgrößte Kirchenturm in der Tschechischen Republik. Unter dem Turm wurde die Kapelle des hl. Johannes des Täufers gebaut, gegenüber dazu wurde in dem nördlichen Teil die neogotische Kapelle der hl. Kyrill und Methodius zugebaut. Das ganze Interieur der Kathedrale  - Schiff und  Presbyterium- wurden regotisiert. Bis zu den heutigen Tagen ist der älteste Teil der Kathedrale erhalten geblieben – das ursprüngliche Umfassungsmauerwerk des Kirchenschiffes, partikulär auch die Gründe der kleineren Türmen der Fassade und die romanische Gruft aus der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts.

Die Kathedrale hat eine Länge von fast 80 m und ist 17,5 m breit. Die drei Kirchenschiffe sind 17 m hoch und der Altarraum hat eine Höhe von 23 m. Der Grundriss der Gruft beträgt 25x15 m, deren Höhe 5,4 m ist. Die Kathedrale nimmt mit allen ihren Teilen eine Fläche von 2 700 m2 ein. Die Kathedrale kann bis zu 5 000 Gläubigen fassen.

Mit der Kathedrale sind einige weitere Bauten in ihrer nächsten Umgebung verbunden: der gotische Kreuzgang aus dem 14. Jh.; die Kapelle des hl. Johannes des Täufers aus dem 13. Jh.; die Kapelle der hl. Barbara (ursprünglich ein romanischer Bergfried, umgestaltet im 17. Jh.); der romanische Bischofpalast (Palast von Zdík), dessen Überreste man im Jahre 1867 entdeckt hatte, wurde im Jahre 1962 zum nationalen Kulturdenkmal erster Kategorie erklärt. Der Palast wird für einen der wichtigsten und künstlerisch wertvollsten Bauten der romanischen Periode in Europa gehalten. Alle diese Bauten sind von dem Erzdiözesemuseum zugänglich. Die weiteren Sehenswürdigkeiten in der Umgebung der Kathedrale sind: die Vikarsakristei – ursprünglich Kapitelsaal des romanischen Münsters aus der Mitte des 12. Jahrhunderts; die Kanonikussakristei aus dem 18. Jh. und die Rektoratskirche der hl. Anna (die ursprüngliche Kapelle aus der Mitte des 14. Jh. wurde zwischen 1598 und 1617 im Renaissancestil umgebaut). Diese Bauten sind zur Besichtigung nicht zugänglich.

Zur Kathedrale gehörten von Anfang an zahlreiche bedeutende Institutionen: das Metropolitankapitel (ursprünglich mit 12 Mitgliedern – Kanoniker); die Kathedralschule; das Skriptorium – Schreibschule, die in der ersten Hälfte des 12. Jh. zu den bedeutendsten in Europa gehörte; die Kapitelbibliothek und das Archiv.

Die Kathedrale hat auch eine reiche Musiktradition. Als Chorleiter wirkten hier unter anderen folgende Komponisten: Jakub Gallus Handl-Petelin (1579-1585) oder Pavel Vejvanovský (1690-1693). In der Nachbarschaft der Kathedrale in dem Kapitel-Fürstenpalast schuf im Jahre 1767 W. A. Mozart seine Symphonie F-Dur (auch als Olmützer Symphonie genannt).

Ludwig van Beethoven komponierte für seinen Schüler und Freund, Erzherzog Rudolf, zum Olmützer Erzbischof seine Missa Solemnis.

Die Besichtigung der Kathedrale 

Das südliche Schiff (rechts von dem Hauptportal)

An der zweiten Säule rechts befindet sich der Altar des hl. Petrus und Paulus mit einer Kopie der gotischen Pieta (1410-1420), deren Original im Erzdiözesemuseum deponiert ist.

Die Lauretanische Kapelle – ursprünglich gotische Kapelle der hl. Kyrill und Method, im 14. Jh. errichtet. Die Kapelle wurde in der Barockzeit zu Jungfrau Maria eingeweiht. Hier befinden sich die Wandmalereien von dem bedeutenden mährischen Barockkünstler Johann Christoph Handke.

Der Altar des hl. Johannes Sarkander – seine Reliquien sind in einem Reliquiar in Form eines Hauses deponiert. Dieser Märtyrer wurde im Jahre 1995 in Olomouc von dem Papst Johannes Paulus II. heilig gesprochen.

Die Sankt Stanislaus Kapelle – renaissance-barock Kapelle mit einzigartigen bronzenen Renaissancegitter, von Bischof Stanislav II. Pavlovský in den Jahren 1582-1591 errichtet. Rechts von dem Portal der Kapelle ist das barocke Doppelgrabmal der letzten Olmützer Premysliden–Fürsten, links das bronzene Renaissanceepitaph des Bischofs Mark Kuen (+ 1565).

Das Presbyterium 

Der Altarraum ist von dem dreischiffigen Kirchenraum durch eine Treppe und ein künstlerisch gestaltetes Gitter getrennt (Ende des 19. Jh., Olmützer Meister Johann Lefenda).

Der Hauptaltar aus Carrara-Marmor im neugotischen Stil ist mit Skulpturen vom Renaissancebildhauer Mino da Fiesole aus der zweiten Hälfte des 15. Jh. ausgeschmückt.

Links des Altars über dem erzbischöflichen Katheder befindet sich auf der Wand die Skulptur des hl. Wenzels und rechts des Altars befindet sich die Skulptur der hl. Ludmila.

Die Fenster (Vitrage) im Presbyterium sind neugotisch, das mittlere stellt den knienden Kardinal Fürstenberg unter der hl. Jungfrau Maria und dem hl. Wenzel dar.

Die Chorbänke sind eine wertvolle Schnittarbeit aus dem 17. Jh.

Die kleine Orgel rechts des Eingangs stammt aus dem Jahre 1977 (Krnov, zwei Manuale, 27 Register, 1695 Pfeifen).

Unter dem erzbischöflichen Oratorium auf der Epistelseite des Altarraums befindet sich der Eingang in die Tauf– und Grabkapelle unter dem hohen Turm. Hier sind die Olmützer Erzbischöfe aus dem 19. und 20. Jh. begraben.

Gegenüber befindet sich der Eingang in die Chorkapelle, wo ein spätgotisches Relief der Jungfrau Maria aus dem Ende des 15. Jh. deponiert ist. Die großen Schränke in der Nähe der Eingänge enthalten einen Teil des Kathedralschatzes.

Die Gruft

Die barocke Gruft unter dem Presbyterium wird im Sommer als ein Ausstellungsraum von Teilen des Domschatzes, Bildern und Statuen benutzt. Im hinteren Teil befindet sich die Büste des Olmützer Erzbischofs Rudolf Jan, österreichischen Erzherzogs aus dem Haus.

Habsburg, dessen Herz hinter der Grabsteinplatte bestattet ist.

In der Gruft können Sie Prospekte, Ansichtskarten und Publikation von der Kathedrale kaufen. 

Das nördliche Schiff (links von dem Hauptportal)

Neben dem Eingang in die Gruft befindet sich der Altar des hl. Josephs.

Die Kanzel wurde in dem neugotischen Stil aus weißem Marmor angefertigt. Der Kanzelkorb ist mit Basreliefen der Halbfiguren der vier Evangelisten versehen. In dem frontalen Feld findet man Tafeln mit zehn Geboten Gottes.

Der Zinnkreuzweg stammt aus dem Jahre 1976 von Karel Stádník und František Radvan.

Bei einer der Säulen befindet sich der Altar des hl. Johann von Nepomuk.

Die Orgel auf dem Chor wurde im Jahre 1885 hergestellt (Firma Rieger –Krnov, Opus 145, 3 Manuale, 50 Register, 3120 Pfeifen).

Im Vorraum der Kathedrale befinden sich auf Platten aus angolanischem Marmor die Namen aller mährischen Bischöfen (57) und Erzbischöfen (13). Das Erzbistum wurde im Jahre 1777 errichtet.

Das Hauptportal

Die Stirnwand der Kathedrale ist mit Statuen von Schutzheiligen der Erzdiözese und Mährens ausgeschmückt - dem hl. Wenzel sowie dem hl. Kyrillus und Methodius. Über der Rosette befindet sich die Büste von Gustav Meretta – dem Autoren des neugotischen Umbaus. Außerdem befinden sich hier auch die Statuen von den vier Evangelisten.

Die Türme  und Glocken

In dem höchsten Turm sind drei Glocken aufgehängt: eingeweiht dem hl. Petrus und Paulus, dem hl. Wenzel und der Jungfrau Maria.

Die kleineren Türme sind 68 Meter hoch. Im linken Turm wurde im Jahre 1986 ein Glockenspiel installiert und zurzeit befindet sich hier noch eine neue Glocke, die dem Johannes Paulus II. eingeweiht ist.

Im rechten Turm sind zwei Glocken zu finden: eingeweiht dem hl. Kyrillus und Methodius und dem hl. Johannes Sarkander. Mehrere Informationen über die Glocken finden Sie auf www.oldom.cz.